Neurodermitis: Informationen für Patientinnen und Patienten
Was ist Neurodermitis?
Ekzeme, Heuschnupfen oder allergisches Asthma gehören zum "atopischen Formenkreis". "Atopie" bedeutet, man besitzt die Neigung, sich gegen bestimmte äußere Dinge zu sensibilisieren. Die Neurodermitis ist eine Hauterkrankung, zu der die Anlage auch genetisch vererbt wird. Hierzu gehört z. B. die für Neurodermitiker typische trockene Haut. Die genetische Anlage, diese Erkrankung zu bekommen, ist stärker, wenn schon andere Familienmitglieder betroffen sind. Diese genetischen Faktoren lassen sich nur schwer beeinflussen.
Krankheitsauslösend sind jedoch eine Reihe von Faktoren in unserer Umwelt. Dies sind so genannte "Trigger-" oder "Provokationsfaktoren". Je genauer jede Patientin/jeder Patient (und die Eltern) diese Triggerfaktoren kennt, desto besser sind sie dann auch vermeidbar!
Daher ist es wichtig, zusammen mit dem Arzt oder der Ärztin die für den Patienten wichtigen Triggerfaktoren in Detektivarbeit herauszufinden. Hierbei soll diese
Triggerfaktoren
Der Einfluss verschiedener Triggerfaktoren ist bei den einzelnen Patientinnen und Patienten sehr unterschiedlich. Daher sollte man sich zu den Auswirkungen der einzelnen Faktoren ausgiebig Gedanken machen, damit wir Sie/Dich besser bezüglich Ihres/Deines Verhaltens beraten können.
Zu den häufigen Triggerfaktoren gehören:
- Stress, Belastungssituationen
- Klima (Winter, usw.)
- Nahrungsmittel
- Infekte
- Irritantien (Seife, etc.)
- Juckreiz-auslösende Kleidung
- Mechanisch belastende oder stark verschmutzende Tätigkeiten
- Tabakrauch, Duftstoffe
- Allergene (Aeroallergene, Nahrungsmittel, Kontaktallergene, s. unten)
- Kratzen
Genauere Informationen zu den oben genannten Triggerfaktoren finden Sie
Der Arzt/die Ärztin versucht, das Ekzem und den Juckreiz durch verschiedene Maßnahmen zu therapieren. Wichtig ist jedoch auch, sich so wenig wie möglich den auslösenden Faktoren auszusetzen.
Nahrungsmittelallergien
Nahrungsmittel werden als mögliche Auslöser/Triggerfaktoren bei Neurodermitis häufig diskutiert. Insbesondere die Patientinnen und Patienten selbst glauben an einen solchen Zusammenhang und probieren im Verlauf der Erkrankung oft viele verschiedene Diäten aus.
Tatsächlich aber zeigen nur ca. 1/3 aller Kinder (unter 3 Jahren) mit sehr schwerer Neurodermitis echte Nahrungsmittelallergien, bei Erwachsenen sind es sogar unter 5%!
Das Ziel der allergologischen Abklärung von Nahrungsmittelallergien ist die Vermeidung von unsinnigen, die Lebensqualität einschränkenden Diäten! Detaillierte Informationen zu Nahrungsmittelallergien bei Neurodermitis haben wir auf einer
Juckreiz
Wie kommt es zum Juckreiz bei Neurodermitis?
In der Haut finden sich die so genannten "Mastzellen", das sind Zellen, die in ihrem Inneren neben anderen Botenstoffen z.B. Histamin oder Substanz P speichern. Kommt es zur Aktivierung dieser Zellen (z.B. durch einen heftigen Reiz, der auf die Haut einwirkt), wird vor allem Histamin aus diesen Zellen ausgeschüttet. Histamin bewirkt in der Haut das typische Anschwellen, die Weißverfärbung und den starken Juckreiz.
Was tun gegen Juckreizanfälle?
Ihr Arzt/Ihre Ärztin wird versuchen, durch die verordnete Therapie Ihren Juckreiz einzudämmen und zu lindern. Dazu gehört zum einen die Linderung der Hauttrockenheit und auch das in einer akuten Phase verordnete Kortison-Präparat bzw. andere anti-entzündliche Medikamente (z.B. Tacrolimus, Pimecrolimus) für die Haut.
Ebenso dienen die sog. Antihistaminika (juckreizstillende Tabletten) dazu, den Juckreiz zu kontrollieren. Hier stehen uns Antihistaminika für den Tag, die nicht müde machen, und wiederum andere mit leicht müde machender Wirkung für die Nacht zur Verfügung.
Dennoch kann es trotzdem zu starken Juckreizattacken kommen. Hier ist wichtig: Das Kratzen verschlimmert den Juckreiz und das Ekzem, was wiederum neues Kratzen provoziert. Man nennt das "Juck-Kratz"-Zyklus. Die wichtigste Maßnahme gegen den Juckreiz ist also, nicht zu kratzen! Das ist schwierig und nicht immer erfolgreich. Was kann man stattdessen tun?
Hier haben wir einige Tipps für Sie/ Dich zusammengestellt:
- Fett-Feuchte Umschläge:
Bei Juckreiz-Attacken können Sie ihre Haut mit Ihrer Pflegecreme eincremen, anschließend ein mit handwarmen/kaltem Wasser angefeuchtetes Baumwolltuch (z.B. Küchenhandtuch) herumwickeln, darüber sollte man dann noch ein trockenes Handtuch wickeln. Diese Wickel 1-2 Stunden wirken lassen. - Schwarztee-Umschläge:
Hierzu schwarzen, nicht aromatisierten Tee aufbrühen, ca. 10-15 Minuten ziehen lassen (die Bitterstoffe lindern den Juckreiz!) und abkühlen lassen. Anschließend mit einem Waschlappen oder Kompressen Umschläge auf die betroffen Hautpartien auflegen. - Lauwarme Bäder mit Zusätzen:
Als Zusätze eignen sich z.B. Speisestärke, erhältlich im Supermarkt (6 gehäufte Esslöffel in das warme Badewasser geben), oder Bade-Öle. Das Speisestärke-Bad wirkt am besten gegen den Juckreiz, die Ölbäder wirken besser gegen die extrem trockene Haut.
Wichtig: Bitte das Wasser nicht zu heiß wählen (Gefahr: Wärmestau!) und nicht länger als 10-15 Minuten baden. Sonst verschlimmert sich der Juckreiz danach wieder. Und nach dem Baden die Speisestärke abduschen.
Außerdem: Nach dem Baden eincremen! Beim Baden nimmt die oberste Hautschicht Wasser auf und der Juckreiz wird gelindert. Um aber das anschließende Austrocknen zu verhindern, sollte die noch feuchte Haut innerhalb der ersten 3 Minuten nach dem Baden eingecremt werden.
Und: Feuchte Haut nimmt die Creme besser auf als trockene und schuppende Haut. - Legen Sie sich Eiswürfel oder kalte Cool-Packs (Gel-Kissen, erhältlich in der Apotheke oder Drogerien) auf die stark juckenden Stellen. Oder stellen Sie sich unter die kalte Dusche! Durch die Kälte wird die Haut an dieser Stelle betäubt und der Juckreiz lässt nach.
Juckreiz ist eine Empfindung der Haut, die wir instinktiv mit Kratzen beantworten wollen und müssen. Daher: Wenn Sie dennoch einmal kratzen müssen, halten Sie bitte die Fingernägel kurz und versuchen Sie, mit der flachen Hand zu reiben oder zu klopfen. Das bewirkt, dass sich keine größeren Wunden auf der Haut durch die Fingernägel bilden und womöglich Narben zurückbleiben.
Informationen und Tipps zum Juckreiz gibt es hier auch als
Therapien
Die Neurodermitis ist eine stark juckende, ekzematöse Hauterkrankung, von der besonders junge Menschen betroffen sind. Daher ist es bei dieser Erkrankung besonders wichtig, langfristig gut wirksame und nebenwirkungsarme Therapien zu finden und durchzuführen.
Die Therapie richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung. Daher ist es wichtig, die verschiedenen Cremes und Salben mit den anti-entzündlichen Substanzen gut kennen zulernen, damit sie richtig angewendet werden können.
Zu den wichtigsten anti-entzündlichen Präparaten gehören:
- Cortison-Cremes (mehr Informationen finden Sie hier!)
(98 KB) - Calcineurin-Inhibitoren (Tacrolimus/Pimecrolimus) (mehr Informationen finden Sie hier!)
(153 KB)
Ihr Arzt/Ihre Ärztin hat Ihnen möglicherweise eines der neuen Präparate verschrieben und wir wollen Ihnen mit Hilfe der Informationsblätter weitere Informationen zu diesen Produkten zukommen lassen.
- Informationen zu Cortison-Cremes
(98 KB)
Da eine Dauertherapie mit Cortison selten ratsam ist und Calcineurininhibitoren bei schweren Fällen nicht ausreichen, kommt auch eine Lichttherapie in Betracht. Eingesetzt wird hierfür ein selektives UVB Spektrum (311nm) und die höherdosierte Bestrahlung mit UVA1 Licht. Ein neueres Therapieverfahren mit Blaulicht (DermoDyne®) bietet die Chance auf eine längerfristige Kontrolle des Ekzems und wird in der Hautklinik Mainz angeboten.
Weitere Informationen
Bei der Neurodermitis ist es wichtig, sich auf die Krankheit eines jeden einzelnen genau einzustellen. Pauschale Empfehlungen lassen sich nur wenige geben.
Gutes Informationsmaterial findet man bei einer Reihe von
.Außerdem sind in
Neurodermitis-Schulung

Seit Herbst 2006 sind wir der Neurodermitis-Akademie Hessen angeschlossen. Wir bieten in Anlehnung an das Curriculum der Arbeitsgemeinschaft Neurodermitis-Schulung e.V. (AGNES) und des Konsens "Schulung von Patienten mit chronisch entzündlichen Hauterkrankungen" der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP) jetzt auch in Mainz Schulungen zur Neurodermitis an.
Das Schulungsteam besteht aus erfahrenen Ärzten/Ärztinnen, Psychologen/Psychologinnen und Ernährungswissenschaftlern/-wissenschaftlerinnen bzw. Diätassistentinnen, die eigens hierfür zu Neurodermitis-Trainern und -Trainerinnen ausgebildet wurden.
Angeleitet und etabliert werden die Schulungen von Frau Dr. Isabel Fell, einer erfahrenen Trainerin aus dem Dermatologischen Zentrum für Rehabilitation und Prävention Bad Soden GmbH (c/o Dr. Aschoff / Dr. Fell), und Frau Mitzel, ebenfalls Neurodermitis-Trainerin und Assistenzärztin an der Hautklinik in Mainz.
Das Ziel:
Wie Studien belegen, kann durch eine Schulung über Neurodermitis eine langfristige Besserung der Erkrankung bei den Patientinnen und Patienten erreicht werden.
Die Schulung hat folgende Ziele:
- Vermittlung von Basiswissen zur effektiven Hautpflege
- Vermeidung ineffektiver Therapiemaßnahmen
- adäquate Bewältigung somatischer und psycho-sozialer Aspekte der Erkrankung
- Stärkung der Eigenkompetenz durch die Vermittlung von Strategien des Selbstmanagements
- Mobilisation positiver eigener und sozialer Ressourcen
- Reduktion stationärer Maßnahmen/von Krankenhausaufenthalten
Termine und Gruppen:
Die Schulungen finden in Gruppen von 5-9 Teilnehmern/Teilnehmerinnen je nach Vereinbarung an einem festen Tag in der Woche statt.
Der Schulungsort ist die Univ.-Hautklinik Mainz, Gebäude 401, Erdgeschoß (Poliklinik Warteraum).
Die Schulungen finden getrennt für verschiedene Altersstufen statt:
- 0-7 Jahre (Elternschulung) 6 Doppelstunden
- 8-12 Jahre (Eltern mit Kindern) 6 Doppelstunden
- 13-18 Jahre (Jugendliche) 6 Doppelstunden
- ab 18 Jahre (Erwachsene) 6 Doppelstunden
Inhalte:
In der Schulung werden u. a. folgende Themen behandelt:
- Beratung zur Hautpflege und stadiengerechten Therapie
- Beratung zum Thema Ernährung
- Psychologische Elemente in der Therapie von chronisch an der Haut erkrankten Patienten
Weitere Informationen:
Wenn Sie betroffen sind oder Betroffene kennen, die sich für eine Schulungsmaßnahme eignen, finden Sie hier weitere Informationen:
Atopie-Sprechstunde der Hautklinik Mainz
c/o Univ.-Prof. Dr. E. von Stebut
Langenbeckstr. 1
55131 Mainz
Tel.: 06131-17 2928
Fax: 06131-17 3468
E-Mail:
neurodermitis@hautklinik.klinik.uni-mainz.de
Weitere Informationen zu AGNES-Schulungen:
Die Neurodermitis-Akademie Hessen stellt sich vor:
http://www.uniklinikum-giessen.de/neuroderm
Auf der Homepage der Neurodermitis-Akademie finden Sie ausführliche Informationen über:
- Allgemeine Informationen über Neurodermitis
- Ziele und Inhalte des Modellprojekts
- Organisation des Modellprojekts
Hier finden Sie einen
Anträge auf Kostenerstattung durch die Krankenkasse finden Sie hier:
Malwettbewerb Neurodermitis
Du hast Neurodermitis? Mal uns ein Bild darüber, wie sich die Haut mit Neurodermitis anfühlt, welche Körperstellen immer rot sind und was Ihr macht, wenn die Haut so stark juckt!
Unser Neurodermitis Malwettbewerb für Kinder ist nach wie vor in vollem Gange! Also her mit Euren Beiträgen - die besten Bilder werden wir auf unserer Homepage ausstellen!
Bitte das Bild abgeben bei oder senden an:
Univ.-Prof. Dr. Esther von Stebut
Univ.-Hautklinik Mainz/Neurodermitis-Sprechstunde
Langenbeckstrasse 1
55131 Mainz
Unser Neuzugang ist ein Bild von einem unbekannten jungen Künstler. Darunter die Bilder von Charlotte, Annika, Helen und Laura:

- unbekannter Künstler

- C. Staubach (7 Jahre)

- A. Hauser, Wadern (8 Jahre)

- H. Cremer, Mainz (9 Jahre)

- L. von Stebut, Duisburg (8 Jahre)

Sprechzeiten Atopie/Neurodermitis:
(Tel. Anmeldung und Überweisung erforderlich!)
Kontakt:
06131-172928
(06131-177189 für Informationen zur Sprechstunde und zu AGNES-Neurodermitisschulungen)
E-Mail Ort:
Hautklinik, 2. Stock, Abt. Allergie Verantwortlich:
Univ.-Prof. Dr. E. von Stebut-Borschitz
